Alfred Döblin war bereits von 1914 bis 1933 Autor des S. Fischer Verlags. Seinen größten Erfolg feierte er mit seinem Roman ›Berlin Alexanderplatz‹, der erstmals 1929 bei S. Fischer erschien.

Bis heute verbindet man den Namen Döblins fast ausschließlich mit seinem berühmten, von Rainer Werner Fassbinder verfilmten Großstadtroman. Was dabei aber aus dem Blick gerät, ist die einzigartige Vielfalt der Themen und Erzählansätze, die Döblins Gesamtwerk von den expressionistischen Anfängen über die Romane und publizistischen Eingriffe in der Weimarer Republik bis hin zu seinem großen ›Hamlet‹-Roman aus dem Jahr 1956 auszeichnet.

Radikal gegenwärtig und niemals festgelegt auf einen bestimmten Stil, gehörte Döblin bereits vor 1914 zu den innovativsten Autoren der literarischen Avantgarde in Deutschland. Mit seinem ›Wallenstein‹ (1920) und ›Berge Meere und Giganten‹ (1924) wirkte er bahnbrechend auf den Gebieten des historischen und utopischen Erzählens. Seine im Exil entstandene Romantrilogie ›November 1918‹ ist neben Heinrich Manns ›Untertan‹ und Thomas Manns ›Zauberberg‹ eine der bedeutendsten Epochendarstellungen des 20. Jahrhunderts.

Doch Döblin war nicht nur ein großer Fabulierer von schier unerschöpflicher »Tatsachenphantasie«. Vielmehr gehörte er auch zu jener in Deutschland eher seltenen Spezies des engagierten Intellektuellen, für den das öffentliche Leben, für den kritische Auseinandersetzung und polemische Einmischung wie die Luft zum Atmen gehören. Dass die Gesellschaft solche Einmischungen bitter nötig hat, zeigte sich in der Weimarer Republik, in der Döblin zu einer der wichtigsten Stimmen der Demokratie wurde. Und auch nach 1945 hätte sich zeigen können, wie wichtig Döblins Stimme für die so genannte Aufarbeitung der Vergangenheit war, wenn seine Texte öffentlich wahrgenommen worden wären. Aber, wie Günter Grass in seiner berühmten Rede ›Über meinen Lehrer Döblin‹ schrieb: »Döblin lag nicht richtig. Er kam nicht an. Der progressiven Linken war er zu katholisch, den Katholiken zu anarchistisch, den Moralisten versagte er handfeste Thesen; fürs Nachtprogramm zu unelegant, war er dem Schulfunk zu vulgär; weder der ›Wallenstein‹ noch der ›Giganten‹-Roman ließen sich konsumieren; und der Emigrant Döblin wagte 1946 in ein Deutschland heimzukehren, das sich bald darauf dem Konsumieren verschrieb.«

Döblin selbst schrieb am 28. April 1953 an Theodor Heuss: »Ich kann nach den sieben Jahren, jetzt, wo ich mein Domizil in Deutschland wieder aufgebe, mir resumieren: es war ein lehrreicher Besuch, aber ich bin in diesem Lande, in dem ich und meine Eltern geboren sind, überflüssig«.

Durch die Neuausgabe der Werke Alfred Döblins im S. Fischer Verlag, seiner verlegerischen Heimat vor 1933, soll einer der vitalsten und vielseitigsten Autoren des 20. Jahrhunderts endlich wieder einem breiteren Publikum näher gebracht werden.

Fotos von Alfred Döblin

  • Foto: © Archiv S. Fischer Verlag GmbH
  • Foto: (c) Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N
  • Foto: © Archiv S. Fischer Verlag
  • Foto: (c) Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N.
  • Foto: Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N.
  • Alfred Döblin, New York 1939
    Foto: © Archiv S. Fischer Verlag
    Alfred Döblin, New York 1939
  • Foto: Archiv S. Fischer Verlag
  • Foto: Atelier Jacobi, Berlin-Charlottenburg (c) Deutsches Literaturarchiv, Marbach a. N.

Über Alfred Döblin:

»Wenn ich einen literarischen Patron benennen sollte, dann wäre das Alfred Döblin. Ich kenne keinen Autor, der mich als Leser von Buch zu Buch derart zu überraschen vermag. Wer sich das Vergnügen gönnt, ›Berlin Alexanderplatz‹ zu lesen, kennt aber nur eine Sonne in der Döblin-Galaxie.«
Ingo Schulze

»Er wird Sie beunruhigen; er wird Ihre Träume beschweren; Sie werden zu schlucken haben; er wird Ihnen nicht schmecken; unverdaulich ist er, auch unbekömmlich. Den Leser wird er ändern. Wer sich selbst genügt, sei vor Döblin gewarnt.«
Günter Grass

»Der stilprägende Einfluß, den Döblin auf die Erzählweise deutscher Romanciers nach 1945 ausgeübt hat, lässt sich nur mit dem Kafkas vergleichen: Wolfgang Koeppen und Arno Schmidt, Günter Grass, Uwe Johnson und Hubert Fichte – sie alle kommen, um ein Wort Dostojewskis über Gogol zu verwenden, aus seinem Mantel.«
Marcel Reich-Ranicki

»Brecht, der niemanden gelten ließ, nannte Döblins Namen mit dem größten Respekt. Einige seltene Male sah ich ihn unsicher, er sagte dann: ›Darüber muß ich mit dem Döblin reden‹, es klang so, als wäre das der weise Mann, bei dem er sich Rat holte.«
Elias Canetti

»Dieser Linke Poot kitzelt mit dem Florett, wo Heinrich Mann zugestoßen hat – und er hat mehr Witz als das ganze Preußen Brutalität, und das will etwas heißen. Er beschäftigt sich sanft, prägnant, spaßig, ›ausverschämt‹ und inbrünstig mit dem neuen Deutschland. Es ist eine ganz neuartige Sorte Witz, die ich noch nie in deutscher Sprache gelesen habe.«
Kurt Tucholsky

»Döblin war nicht nur einer der phantasiegewaltigsten Poeten; er war, zwischen Geburt und Tod, der umhergetriebenste, erfahrenste, vielfältigste, am wenigsten lokale deutsche Repräsentant des Jahrhunderts.«
Ludwig Marcuse

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